„Hartig Kluges“ Weg ins große Istanbul Europapokal-Finale
So lange es noch frisch ist, möchte ich doch gleich einen Reisebericht über meinen Istanbul-Trip verfassen:
Vorab: es war so ein großes Erlebnis mit tollen Erfahrungen und unzähligen Begegnungen, das in meiner Vita hängen bleiben wird.
Die Vorgeschichte kennt Ihr ja: am Sonntagabend von Hannes die ultimative Vorgabe: „Papa, Du mußt dahin!!“
Am Mittwoch dann mit leichtem Rucksack bestückt und reichlich nervös zum Freiburger Bahnhof. Nervös deshalb, weil das ganze Gelingen von der Verläßlichkeit der Bahn abhängen würde.
Und schon am Bahnsteig das erste Erlebnis. Eine junge Frau hatte einen großen Hartschalenkoffer in Fahrradform dabei. Ich half ihr, das schwere Ding in den Zug zu wuchten und erfuhr von ihr, dass sich darin wirklich ihr Gravel-Bike mit allem Equipment befand. Sie wollte sich in Frankfurt mit einer Freundin treffen, nach Kirgisien fliegen und dort 14 Tage durchs Land radeln. Da hatten wir natürlich bis Frankfurt genug Redestoff (u.a. Hinrichs letzte Groß-Touren).
In Frankfurt erfahren, dass mein Anschlußzug, den ich mal wieder zu schnell gebucht hatte und der bis Köln, die langsamere Strecke am Rhein lang fuhr, doch etwas knapp werden würde, sodass ich mir noch schnell, d.h. rennend, noch eine Karte für die Schnellstrecke besorgte.
In Köln am Flughafen, traf das ein, was Gernot mir prophezeit hatte: „Das ist nicht mehr so wie früher – heute ist alles viel voller.“ Und tatsächlich: wegen einer technischen Störung eine Riesenschlange vor der Gepäckkontrolle und dann auch bei der Ausweiskontrolle. Schon wieder Nervosität, weil es dauerte.
Aber schon die ersten SC-Schal-Menschen getroffen und sich ausgetauscht.
13.30 Uhr abgeflogen mit „Pegasus-Air“. Und da saß ich neben einem jungen Ägypter, der in Frankfurt als Ingenieur arbeitet und alle zwei Wochen seine Frau + Baby-Sohn in Alexandria besucht. Und obwohl ich schon 1980 in Ägypten war, hatten wir eine ganz intensive Unterhaltung über Ägypten in allen Facetten. Außerdem war er großer Dortmund-Fan.
18.30 Uhr (1 Stunde Zeitunterschied) Ankunft Istanbul und gleich erschlagen von der unglaublichen Größe des Flughafens. Mit SC‘ lern zusammengetan, durch die Mengen durchgeschlagen und dann draußen die Suche nach SC-Shuttle-Bus, normalen Bus, Taxi usw. Dann doch ersteren Bus mit SC-Zeichen gefunden und über eine Autobahn (wie sich später herausstellte: es gibt eine direktere Strecke) ewig in Richtung Stadt. Die Zeit wurde knapp und natürlich natürlich ein Stau.
Und dann noch die Riesenmetropole Istanbul: aktuell wohl 16 Mio Einwohner und 4x größer als Berlin. In die Stadt reingewurschtelt und zum Glück alle Polizei-Sperrungen passieren können. Trotzdem erst 20.40 Uhr 1,5km vor dem Stadion angekommen.
Ich im Galopp in das wirklich wilde Besiktas-Altstadt-Viertel, wo Hannes mir ein einfaches Hotel mitten im Gewürge besorgt hatte. Und da ohne Smartphone (nur normales Handy), mußte ich mich unzählige Male durchfragen. Wie sich später noch ganz oft herausstellte: eine unglaubliche Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft mit mir altem Mann. Das Hotel „Berinn Besiktas“ doch gefunden, völlig verschwitzt das SC-Trikot (von 2008!) übergeworfen und die etwa 2km zum Stadion fast gerannt. Denn ich mußte am UEFA-Ticket-Schalter (den erstmal finden) meinen Gutschein in ein reguläres Ticket umtauschen, hoch zum Eingang D4 flitzen und meinen Platz Block 417, Row 13, Seat 2 finden.
Ein Wahnsinnsstadion, wie eine Festung nahe am Bosporus hingebaut, alles modern und perfekt.
21.35 Uhr, also nur 25 Minuten vor Spielbeginn war ich endlich da – was für eine Tour von früh 7 Uhr!!
Aber ich konnte noch das Badnerlied mitsingen, beide Choreografien sehen und die unglaubliche Stimmung in den jeweiligen Lagern miterleben. Wahrscheinlich noch nie so intensiv erlebt.
Ich saß bzw. stand die ganze Zeit in einem gemischten Lagern von Aston- und SC-Fans, was sehr schön war, weil dadurch mit beiden zu Kontakten kam.
Zum Spiel ist nichts mehr zu sagen: die Engländer waren aber besser und eine Nummer zu groß für uns. Nach Abpfiff gratulierte ich den Aston-Fans, was auch schön war.
Nach dem Spiel, es war schon nach Mitternacht, bei Regen zurück in die Altstadt, alle Geschäfte waren noch offen, eine Dose Bier gekauft (außer ein paar Reisebroten den ganzen Tag nicht zum Essen gekommen) und im Dunkeln wieder verzweifelt das Hotel gesucht. Ich weiß nicht mehr, wieviel Leute ich gefragt habe. Selbst in 100m Entfernung kannte keiner den Schuppen- dann begleite mich jemand und rief dann im Hotel an, wo mich der Nachtwächter abholte. Verregnet und verschwitzt im Zimmer. Dann registriert, dass direkt unter mir eine Kneipe noch offen hatte und gefühlt die halbe Nacht laute Musik durch enge Gasse dröhnte.
Irgendwie ging die Nacht vorbei, aber schon wieder Nervosität, weil ich ohne Hilfe und nach den Erfahrungen vom Tag zuvor rechtzeitig zum Flughafen kommen mußte. Ohne Frühstück zu irgendeiner Bushaltestelle gelaufen, wo mir wieder zig Leute erklärten, wie ich zum Taksim-Platz kommen würde. Auf dieser Fahrt so einen starken Eindruck einer Weltstadt bekommen. Am Taksim-Platz, wo ja z.T. dramatische politische Demonstrationen stattgefunden haben, lange nach der Station von den Flughafen-Zubringerbussen gesucht. Dabei halfen mir zwei Aston-Leute mit Smartphone. Diesmal dauerte die Fahrt nur 1 Stunde. Dabei saß ich neben einem Menschen aus Bahlingen, der mir erzählte, dass er einen fast dramatischen Ehekrach hatte, weil er seiner Frau erzählt hatte, dass er „einen vierstelligen Betrag“ für den Istanbul-Trip ausgegeben hat. Wir waren sehr zeitig da, was bedeutete, dass ich bis zum Abflug noch über 3 Stunden Zeit hatte. Da es ein Inland-Flug war, gab es weniger Kontrollen und ich gönnte mir endlich ein feudales türkisches Frühstück.
In der Warteschlange dann eine Journalistin vom NDR kennengelernt, die eine Doku über die Familie Ginter und deren soziales Engagement drehte. Da sie Bremerin ist, konnte sie mir gleich den definitiven Wechsel vom Torwart Backhaus zum SC mitteilen.
Dann Flug nach Izmir mit wieder vielen (meist übermüdeten) SC’lern. Dabei saß ich neben zwei jungen Schweizern, die seit langem jede zweite Woche von Luzern 2 Stunden mit dem Auto zu den SC-Spielen fahren und ein immenses Fußball-Wissen hatten. Beim Flug noch folgende kleine Begebenheit: die Stewardessen gingen mit ihrem Wagen durch die Reihen und verkauften Kaffee, Parfüm usw. Und plötzlich überreichte mir jemand ein großes Stück Kuchen. Beim Rausgehen nach der Landung fragte ich: „Why for me?“ und man sagte mir Verblüfftem: „You are the oldest passenger!“ Auch nicht schlecht.
In Izmir zwei Stunden Aufenthalt. Dann die letzte Etappe mit dem Flug nach Basel. Neben mir eine junge Frau, die mir erzählte, dass sie über Frankfurt und Stockholm nach Istanbul geflogen sei. Überhaupt habe ich da von den abenteuerlichsten Destinationen (z.B. Zagreb, Barcelona) gehört, um zum Finale zu kommen- unglaublich.
Der Flug war trotz allgemeiner Müdigkeit sehr schön, weil ich am Fenster saß und Griechenland und Italien (ich glaube, sogar Venedig) entdecken konnte und dann die grandiosen Alpen.
Um 19 Uhr Landung in Basel und feststellen müssen, dass der Bus nach Freiburg gerade vor 5 Minuten abgefahren war. Statt über eine Stunde zu warten, tat ich mich mit der Journalistin zusammen und wir lavierten uns mittels ihrem Smatphone per Bus und Tram zum Badischen Bahnhof in Basel. Dort kamen wir 19.55 Uhr an und sahen, dass 19.58 Uhr der Zug nach Freiburg ging. Gerannt wie verrückt (zum zigtenmal völlig verschwitzt), um Sekunden geschafft, aber ich konnte kein Ticket mehr lösen. Meine Begleiterin hatte ein Deutschland-Ticket, aber ich turnte fast die ganze Zeit durch den Zug, um mögliche Schaffner zu umgehen. Also nochmal Aufregung auf den letzten Metern!
Und wie schon 38 Stunden vorher, dann mit der Linie 1 nach Hause nach Littenweiler. – Punkt 21 Uhr.
Es war nochmal ein großes Erlebnis für mich und auch etwas Stolz, dass ich alles gut geschafft habe. Und vor allem Dankbarkeit an Hannes, der mir das alles „eingebrockt“ hat.